Vom schnellen Runterschreiben

Vom schnellen Runterschreiben

Ende November, der letzte Tag des NaNoWriMo ist angebrochen. Wo steht ihr, falls ihr an diesem Event teilgenommen habt? Seid ihr schon fertig und habt euch das Gewinner-Badge geschnappt? Oder fehlen euch noch ein paar Wörter? Oder vielleicht geht es euch so wie mir: Ich hänge bei 15k und habe den NaNo offiziell für beendet erklärt. Es ist keine Niederlage, im Gegenteil. Ich habe Wörter geschrieben. Alles, was größer als null ist, ist ein Erfolg. Wir müssen nicht immer auf den hohen Berg klettern, manchmal reicht es, wenn wir einen kleinen Hügel erklimmen. Aber wie beim Bergsteigen auch, gibt es beim Schreiben Umstände, die uns davon abhalten, voranzukommen. Stellen wir uns einmal folgendes vor:

Wir haben eine Idee zu einer Geschichte, einem Kapitel, einer Szene. Wir haben Kopfkino und Emotionen. Wir wollen unbedingt schreiben. Die Schreiblust brennt in uns und Wörter möchten unbedingt heraus! Und dann sitzen wir da, schreiben ein paar Sätze, dann halten wir inne. Irgendetwas stimmt nicht. Wir überlegen. Ziehen nachdenklich die Unterlippe zwischen die Zähne. Runzeln die Stirn. Trinken einen Schluck von unserem Getränk. Der Satz fühlt sich falsch an. Also löschen wir ihn. Schreiben zwei neue. Stellen einen wieder um, löschen den anderen, schreiben einen neuen, löschen den ganzen Absatz und fangen noch einmal von vorne an. Am Ende des Tages haben wir ein paar Wörter geschrieben, die sich zwar nicht wie eine komplette Katastrophe anfühlen, aber wirklich zufrieden sind wir nicht. Und am nächsten Tag, oder wenn wir das nächste Mal schreiben, setzen wir uns hin, lesen den letzten Absatz, um wieder in das Geschriebene einzutauchen und weiterzumachen, und das Spiel beginnt von neuem.

Bitte versteht das nicht falsch: Dieser Artikel soll euch nicht einreden, dass ihr euer Geschriebenes nicht überarbeiten dürft! Das dürft und sollt ihr sogar. Aber manchmal kann es besser sein, erst einmal den inneren Kritiker beiseite zu schieben und einfach zu machen. Einfach runterschreiben. Die hat leicht reden, werdet ihr jetzt vielleicht sagen. Das kann man nicht, den inneren Kritiker ausschalten, das geht nicht! Stimmt. Ganz ausschalten kann man ihn, wenn überhaupt, nur schwer. Aber man kann ihn in eine Schublade sperren. Der Trick ist nicht, den inneren Kritiker komplett aus seinem Kopf zu verbannen, sondern ihn zu vertrösten. Lass mich erst diesen Absatz, dieses Kapitel oder dieses ganze Buch fertig schreiben, und dann darfst du dich nach Herzenslust austoben, kleiner Kritiker. Dann hören wir auf alle deine Vorschläge. Nun, nicht auf alle, aber doch auf die, die vernünftig klingen. Denn wir können nur korrigieren, was wir auch geschrieben haben, oder? Ein ungeschriebenes Buch können wir nicht verbessern. Und das Gute am Verbessern ist: Wir können es so oft tun, wie wir möchten. Wir können unseren Text einmal, zehnmal oder hundertmal lesen, wenn wir das wollen, und immer wieder Korrekturen vornehmen, bis wir zufrieden sind. Und wenn der Kritiker in unserem Hinterkopf ebenfalls zufrieden ist, dann ist er beim nächsten Mal vielleicht gleich ein bisschen weniger laut und wir können uns auf das konzentrieren, das wirklich wichtig ist: Das Schreiben.

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